Wann liegt eine Interessenkollision vor?

Eine Interessenkollision ist dann gegeben, wenn der Anwalt widerstreitende Interessen vertreten müsste (§ 43a BRAO). Die ist natürlich dann der Fall, wenn die Parteien unmittelbar gegeneinander vorgehen, also sich als Kläger und Beklagte im Prozess wiederfinden – diese Konstellation macht aber kaum Probleme, denn sie ist einerseits sehr selten und auch leicht zu erkennen.

Schwieriger sind Grenzfälle bzw. versteckte Konflikte:

  • Vertretung verschiedener Parteien in verschiedenen Instanzen.
  • Mehrere Personen klagen gegen denselben Beklagten und werden von einem Anwalt gemeinsam vertreten. In der Zwangvollstreckung können die Ansprüche des einen Klägers die des anderen vereiteln.
  • Zwischen Hersteller und Verkäufer können Regressansprüche bestehen.
  • Vorherige Durchführung einer Mediation (Schlichtungsgespräch). Der Anwalt ist dann beiden Parteien verpflichtet und kann keine davon vertreten. Dies ist allerdings durchaus strittig und wird bei eingehender Belehrung vor allem in Ehesachen teilweise anders gesehen.

Was regelt die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA)?

In der BORA sehen sehr einzelne Berufspflichten, die die allgemeinen Vorschriften der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) ergänzen. So werden bspw. Einzelpflichten wie die Verschwiegenheit und das Verbot der Vertretung gegenläufiger Interesse näher ausgeführt und konkrete Verhaltensvorschriften gemacht. Es gibt auch Regeln zum Auftritt nach außen wie bspw. zur Werbung, zur Wahl eines Kurznamens oder auch zur Gestaltung von Briefbögen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Anwälten und Angehörigen anderer Berufe wird thematisiert.