Entsteht ein Anwaltsvertrag schon durch ein Privatgespräch?

Das kommt auf die Umstände an, wie bei allen Rechtsgeschäften ist ein Rechtsbindungswille der Beteiligten nötig. Durch diesen wird eine bloße Gefälligkeitsberatung von einem Anwaltsvertrag abgegrenzt.

Aus diesem Grund sollte im privaten Umfeld stets klargestellt werden, dass es sich nicht um eine anwaltliche Leistung handelt; ggf. sollte ein Verweis auf die Kanzlei erfolgen.

Bedarf der Anwaltsvertrag einer bestimmten Form?

Nein, der Abschluss des Vertrags zwischen Rechtsanwalt und Mandant ist formlos möglich. Er muss aber höchstpersönlich durch den Anwalt selbst geschlossen werden, eine Vertretung durch Büropersonal reicht nicht aus. Die Beauftragung und die Annahme können dementsprechend auch konkludent erfolgen.

Darf ein Anwalt ein ihm angebotenes Mandat ablehnen?

Ja, auch ein Anwalt ist insoweit frei, sich seine Mandanten auszusuchen und unterliegt keinem Kontrahierungszwang. Die Ablehnung muss aber gemäß §§ 44 BRAO, 663 Satz 1 BGB unverzüglich erfolgen. Bei Verstoß gegen die Pflicht zur unverzüglichen Ablehnung wird zwar kein Vertrag geschlossen, der Anwalt macht sich aber schadenersatzpflichtig.

Darf ein Anwalt später eine Partei wegen Ansprüchen aus einem von ihm im Auftrag beider Parteien formulierten Vertrag vertreten?

Nein, da hier eine Interessenkollision (§ 43a BRAO, § 3 BORA) unvermeidlich ist. Der Anwalt war zunächst Berater beider Parteien, nun soll er einseitig nur von für eine davon auftreten. Hinzu kommt die Gefahr, dass der Anwalt nun Vorwissen aus den Vertragsverhandlungen zum Nachteil des vormaligen Mandanten und nunmehrigen Gegners verwendet.

Darf ein Anwalt beim Entwurf eines Vertrags beide Seiten beraten?

Ja. Beim bloßen Entwurf eines Vertrags liegt noch kein Interessenkonflikt (§ 43a BRAO, § 3 BORA) vor, vielmehr haben hier noch beiden Parteien das gleiche Interesse, nämlich eine reibungslose Vertragsdurchführung.

Allerdings muss sich der Anwalt hier weitgehend zurückhalten, ähnlich wie ein Notar. Er darf zwar auf übliche Vertragsklauseln hinweisen, aber keinesfalls der einen Seite zu für diese besonders günstigen Formulierungen raten.

Besteht die Versicherungsdeckung auch bei Anwaltsverträgen zu Freundschaftspreisen?

Das kommt darauf an. Wenn die Vergütung so niedrig ist, dass sich das Geschäft nicht als Anwaltsvertrag, sondern als Gefälligkeitsverhältnis gegen Auslagenersatz darstellt, findet es nicht innerhalb der beruflichen Tätigkeit statt. Damit greift die Berufshaftpflichtversicherung nicht.