Gibt es Anwälte, die nur ein bestimmtes Rechtsgebiet vertreten dürfen?

Normalerweise nicht. In der deutschen juristischen Ausbildung besteht immer noch das Bild des sogenannten Volljuristen, der alle Rechtsgebiete erlernt und in allen Angelegenheiten kompetent ist.

Freilich spezialisiert sich fast jeder Anwalt auf eine oder mehrere Richtungen. Viele Rechtsanwälte bilden sich auch zu Fachanwälten für bestimmte Themen weiter.

Was ist der Unterschied zwischen BRAO und BORA?

Die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) ist ein Bundesgesetz, das den Rahmen für Berufsausübung des Anwalts festlegt.

Die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) ist eine durch die Bundesrechtsanwaltskammer verabschiedete Satzung, die vom Bundesjustizministerium nur noch genehmigt werden muss. In dieser stehen detaillierte Standesregeln.

Bei welchen Gerichten darf mich mein Anwalt vertreten?

Früher gab es die sogenannte Singularzulassung, in deren Rahmen ein Anwalt nur bei einigen bestimmten Gerichten auftreten durfte. Dies ist mittlerweile Geschichte, jeder Anwalt darf grundsätzlich vor jedem Gericht auftreten.

Die einzige bedeutende Ausnahme sind Zivilsachen vor dem Bundesgerichtshof. Hierfür gibt es spezielle Anwälte, die nur beim BGH zugelassen sind. Ansonsten können Sie davon ausgehen, dass Sie Ihr Anwalt vollumfänglich außergerichtlich und gerichtlich vertreten kann.

Was regelt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG)?

Das „Gesetz über die Vergütung der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte“, kurz Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), bestimmt die Höhe der Anwaltsgebühren. Allerdings können gemäß § 3a und 4 RVG auch höhere oder niedrigere Gebühren vereinbart werden. Auch ein Erfolgshonorar (§ 4a) ist zulässig.

Schließlich enthält das RVG noch eine lange Liste verschiedener anwaltlicher Tätigkeiten und der jeweils anfallenden Gebühr.

Was regelt die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA)?

In der BORA sehen sehr einzelne Berufspflichten, die die allgemeinen Vorschriften der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) ergänzen. So werden bspw. Einzelpflichten wie die Verschwiegenheit und das Verbot der Vertretung gegenläufiger Interesse näher ausgeführt und konkrete Verhaltensvorschriften gemacht. Es gibt auch Regeln zum Auftritt nach außen wie bspw. zur Werbung, zur Wahl eines Kurznamens oder auch zur Gestaltung von Briefbögen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Anwälten und Angehörigen anderer Berufe wird thematisiert.

Was regelt die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO)?

Die BRAO regelt in erster Linie die Frage der Zulassung zur Anwaltschaft sowie die Organisation der Rechtsanwaltskammern. Zudem werden einige Grundpflichten der Anwälte geregelt, z.B. die Notwendigkeit einer Haftpflichtversicherung sowie anwaltliche Unabhängigkeit, Verschwiegenheit und das Anlegen von Akten.

Muss ich meinen Anwalt auch bezahlen, wenn ich den Prozess verliere?

Ja, denn der Anwalt schuldet nur seine Leistung, nicht auch einen speziellen Erfolg. Der Anwalt kann nicht garantieren, dass ein Prozess gewonnen wird, denn dies hängt oftmals auch vom Verhalten des Mandanten ab.

Allerdings ist es möglich, ein Erfolgshonorar zu vereinbaren. Dann bezahlt man – ausnahmsweise – nur, wenn man den Prozess gewinnt.

Ansonsten kann es auch sein, dass der Anwalt tatsächlich Fehler gemacht hat, die seinen Vergütungsanspruch mindern oder dem Mandanten einen Schadenersatzanspruch geben.

Welche Gesetze regeln den Beruf des Rechtsanwalts?

Es gibt folgende bedeutenden Gesetze und Rechtsnormen:

Daneben gibt es noch verschiedene Rechtsnormen, die bei der Tätigkeit der meisten Anwälte eine eher untergeordnete Rolle spielen, z.B. das Gesetz über die Tätigkeit europäischer Rechtsanwälte in Deutschland (EuRAG) oder das Geldwäschebekämpfungsgesetz (GwG).

Hinsichtlich des Vertragsverhältnisses zwischen Anwalt und Mandant finden die BGB-Regeln Anwendung. Je nach konkreter Tätigkeit kann es sich um einen Auftrag, um einen Werk- oder einen Dienstvertrag handeln.