Darf ein Anwalt beim Entwurf eines Vertrags beide Seiten beraten?

Ja. Beim bloßen Entwurf eines Vertrags liegt noch kein Interessenkonflikt (§ 43a BRAO, § 3 BORA) vor, vielmehr haben hier noch beiden Parteien das gleiche Interesse, nämlich eine reibungslose Vertragsdurchführung.

Allerdings muss sich der Anwalt hier weitgehend zurückhalten, ähnlich wie ein Notar. Er darf zwar auf übliche Vertragsklauseln hinweisen, aber keinesfalls der einen Seite zu für diese besonders günstigen Formulierungen raten.

Gibt es eine Beweislastumkehr zugunsten des Mandanten bei groben Fehlern des Anwalts?

Nein, eine solche Beweislastumkehr, wie sie bei Haftpflichtsachen von Ärzten und Anlageberatern angenommen wird, gibt es bei Anwälten nicht. Vielmehr muss der Mandant trotz eines nachweisbaren anwaltlichen Fehlers noch beweisen, dass sein Schaden gerade darauf zurückzuführen ist.

Allerdings gilt zugunsten des Mandanten die Vermutung er bei richtiger Beratung alle notwendigen Informationen beschafft und sich beratungsgerecht verhalten hätte.

Was ist der „sicherste Weg“?

Der Anwalt muss den Mandanten stets auf den „sichersten Weg“ hinweisen und seine Beratung dementsprechend anpassen. Der sicherste Weg ist der unter mehreren Handlungsalternativen relativ sicherste Weg, um zum angestrebten rechtlichen Ziel zu kommen.

Hierzu gehören verschiedene Vorsichtsmaßnahmen, unter anderem:

  • kein Ausreizen von Fristen
  • Berücksichtigung möglichen gegnerischen Vorbringens
  • Berücksichtigung möglicher Beweisprobleme
  • Stützen eines eigenen Anspruchs auf verschiedene Grundlagen
  • Bestreiten eines gegnerischen Anspruchs mit verschiedenen Einwendungen
  • Wählen einer sicheren Zustellungsform ohne Nachweisprobleme